Einmal im Leben...
Der BV Niederrhein zur Tourist Trophy auf die Isle of Man
Für viele Motorradfahrer steht die Tourist Trophy auf der Isle of Man ganz oben auf der Wunschliste.
Deshalb haben wir mit den Reisevorbereitungen schon im vorigen Jahr begonnen.
Die raren Unterkünfte sowie die begehrten Fährtickets sind schnell vergriffen.
Am 26. Mai 2017 um 14 Uhr waren unsere Motorräder dann startklar.
Die RDB- Bikergruppe machte sich auf den Weg. Die Überfahrt zu unseren Brexit geplagten EU Freunden führte von Rotterdam nach Hull.
Bild: Die RDB-Bikergruppe vor der Abfahrt
Die ersten interessanten Eindrücke bekamen wir auf unserer Fähre in Rotterdam, als jeder versuchte, sein geliebtes Motorrad mit zahlreichen Seilen und Spanngurten zu verzurren. Gelinde gesagt, herrschte ein dezentes Durcheinander. Somit ergaben wir uns dem Gruppenzwang und sicherten unsere Bikes so gut es ging, denn nichts wäre für einen stolzen Motorrad- Besitzer schlimmer, als ein auf der Seite liegendes Bike.
Zusammen mit unserem Fährticket hatten wir ein Abendbuffet sowie das Frühstück für den nächsten Morgen gebucht und diese Entscheidung erwies sich als goldrichtig: Das Abendbuffet hatte etwas von einem Kreuzfahrtschiff!
Bild: Die Fähre in Rotterdam
Am nächsten Morgen um 8:00 Uhr englischer Zeit ging es dann zügig auf den Bikes weiter, um von Hull quer durch England zum kleinen Fährhafen Heysham auf der anderen Seite des Königreichs zu gelangen. Unser Zeitfenster betrug nur fünf Stunden bis zur nächsten Fährabfahrt. Mit nur einem notwendigen Tankstopp und trotz mehrerer kleiner Staus konnten wir Heysham zeitig erreichen.
Die Anstrengungen für unsere pünktliche Ankunft gehörten allerdings eher in die Kategorie der Blindleistung, denn unsere Fähre hatte Verspätung.
Für uns erstmal unproblematisch, aber wie sich später herausstellen sollte, durften wir einige Stunden auf unsere Abfahrt zur Insel warten.
Eingereiht in einer Warteschlange von unzähligen Motorrädern standen wir bei zunächst sonnigem Wetter und gutgelaunt auf der Fährrampe. Als das Erste von mehreren Gewittern durchzog, war es vorbei mit der guten Laune und die zwischenzeitlichen Infos über weitere Verzögerungen sollten unsere Stimmung mehr als trüben. Am Ende des Tages haben wir sage und schreibe 11 Stunden auf unsere Fähre gewartet.
Rückblickend empfanden wir dann die Ankunft der „Spätfähre“ mitten in der Nacht als absolute Erlösung. Die Bummelantin nahm die zahlreichen und frustrierten Biker mit ihren Motorrädern aber zügig an Bord.
Bild: Die Ankunft der "Spätfähre"
Nach dreieinhalbstündiger Fahrt kamen wir wohlbehalten im Hafen von Douglas, der Hauptstadt der Isle of Man,
an.
Unsere Bed & Breakfast-Unterkunft lag nicht weit vom dortigen Fährhafen entfernt.
Trotz der späten Uhrzeit, es war inzwischen 5:00 Uhr in der Früh, begrüßte uns unsere Zimmerwirtin aufs Herzlichste. Die Aufteilung der Zimmer war vorbereitet und jeder beeilte sich, um noch eine kleine Mütze Schlaf zu bekommen.
Am Morgen erwarteten uns steile Klippen, wilde Buchten, raue Schluchten, sanfte Wiesenhügel, Felsen wie hingeworfen und windgepeitschte Berge. Die Insel vermittelt den Eindruck eines kleinen eigenen Erdteils, welcher mit seiner unbändigen Natur fast jeden Besucher in seinen Bann zieht.
Die Isle of Man liegt mitten in der Irischen See zwischen England und Irland und ist ein Kronlehnsgut Großbritanniens mit einem speziellem Status: Die Insel hat ein eigenes Parlament, weitgehend eigene Gesetzgebung, eigene Währung, welche an das Britische Pfund gekoppelt ist und, zu unserem Leidwesen, außerhalb der Insel nicht akzeptiert wird. Das bedeutete für uns, dass wir bis zum Ende unserer Reise unsere gesamte Barschafft, bestehend aus dem Manx Pound, in Naturalien wie Guinness mit Fish&Chips umsetzen mussten.
Die Einheimischen, die sich und ihre Insel „Manx“ nennen, zeichnen sich durch eine unvergleichliche Gastfreundschaft aus, welche uns während unseres gesamten Aufenthalts begleitete.
Mindestens einmal im Jahr wird das wettergegerbte Eiland zum Mekka unzähliger Motorradfahrer. Es scheint, als lasse die Tourist Trophy das Inselherz schneller schlagen. Fast nirgendwo sonst auf der Welt kommt man dem Mythos des Motorradrennsports so nah, es sei denn, man hat das Fischereihafenrennen in Bremen besucht.
Bild: Landschaftsbild der Isle of Man
Die Tourist Trophy findet seit dem Jahr 1907 auf der Isle of Man statt. Der Rennkurs erstreckt sich über die halbe Insel und hat eine Länge von ca. 60 Kilometern. Die Rennstrecke ist außerhalb der Rennen eine ganz gewöhnliche Straße und wir als deutsche Motorradfahrer werden durch zahlreiche Hinweisschilder immer wieder an das Linksfahrgebot erinnert. Der Kurs führt durch Ortschaften, vorbei an Steinmauern, Bäumen und Zäunen. Etwa 30 Minuten vor Trainings- bzw. Rennbeginn wird dann die Straße für die Öffentlichkeit gesperrt.
Neben der Trophy bietet die Insel sehr viele interessente Ausflugziele, die wir bei unseren ausgiebigen Touren ansteuerten.
Eine der größten Attraktionen für uns Bergleute befindet sich in Laxey, im Osten der Insel.
Hier steht die „Lady Isabella”, das mit knapp 23 Metern Durchmesser größte Wasserrad der Welt.
Das technische Wunderwerk aus dem Jahre 1854, auch Great Laxey Wheel genannt, diente dazu ,das Wasser aus dem bis zu 500 Meter tiefen Erzbergwerk von Laxey zu pumpen. Mit einem Umfang von 84 Metern konnten mit Hilfe des Wasserrads bis zu 1100 Liter Wasser pro Minute aus über 300 Meter Teufe gepumpt werden.
Die Laxey Mines eröffneten im Jahre 1750, damals wurden jedoch zunächst über Tage wertvolle Rohstoffe abgebaut. Zwischen 1876 und 1882 förderte Laxey die größten Bleimengen auf den gesamten britischen Inseln. Als Nebenprodukte warf das Bergwerk auch Silber, Kupfer und Zink ab. Rund 1.000 Bergleute arbeiteten hier zu Blütezeiten, wobei die Arbeitsbedingungen damals, wie jeder Bergmann weiss, alles andere als ein Zuckerschlecken waren. Die Bergleute benötigten bis zu einer Stunde, um über Fahrten nach vor Ort zu gelangen, wo sie bis zu zehn Stunden arbeiteten. Im Jahre 1929 wurde die Zeche geschlossen.
Wir als Besucher durften nach einer kurzweiligen Einweisung durch eine fachkompetente, weibliche Mine Deputy, welche angeblich auf jede Frage eine Antwort weiß, eine Strecke befahren. Dadurch bekamen wir einen persönlichen Eindruck zu den Arbeitsbedingungen der 19. Jahrhundertwende.
Bild: Die RDB-Biker vor der "Lady Isabella"
Auf unseren Erkundungstouren rund um die Insel hörten wir von der Legende die sich um die Fairy Bridge rankt.
Diese Brücke überfährt man, wenn man von Douglas in südlicher Richtung unterwegs ist. Unter ihr sollen der Überlieferung nach kleine Kobolde, die sogenannten Small People, leben. Bei jedem Überqueren der Brücke sei man der Sage nach angehalten, die Small People zu grüßen. Dieser Gruß soll stets Glück bringen und die Kobolde sorgen dafür, dass man in naher oder ferner Zukunft die Insel wieder besuchen wird. Leider führte keine unserer Routen über die Fairy Bridge, aber der Besuch eines privat geführten Motorradmuseums brachte uns die Legende ein ganzes Stück näher. Der betagte Museumsbesitzer hatte allem Anschein nach einen guten Draht zu den Kobolden, denn er machte aus der RDB-Motorradgruppe die „Fairy Bridge Bikergang“ und ernannte unseren Organisator Silvo zum Leader.
Im Anschluss an den wirklich amüsanten Museumsbesuch führte uns unser Weg zur Südspitze der Insel und endete anschließend in Peel.
Hier warteten wunderschöne Motive auf unseren Fotografen Ingo. Das Ortsbild wird dominiert von einer auf der Halbinsel vorgelagerten Burg, dem Peel Castle. Daneben schmiegt sich die Peel Bay an den Ort, während dahinter schon wieder die sanften und grünen Hügel der Isle of Man das perfekte Postkartenpanorama abrunden.
Bild: Die "Fairy Bridge Bikergang" an der Südspitze der Insel
Der letzte Tag begann mit ein wenig Wehmut welche das Wetter mit uns teilte: ein grauer Wolkenschleier begleitete uns zum Fährhafen.
Der Abschied vor dieser melancholischen Kulisse sollte eigentlich nicht schwer fallen, doch jeder von uns hatte das Gefühl, noch länger auf der Isle of Man verweilen zu wollen.
Die grüne und fruchtbare Insel ist ein echtes Kleinod mit freundlichen Bewohnern und unvergesslichen Landschaften. Sie weckt unweigerlich den Wunsch, irgendwann zurückzukehren.
Mit diesem Eindruck traten wir unsere Heimreise an.
Die Rückfahrt verlief angenehm unspektakulär und wir erreichten Deutschland bei phantastischem Sonnenschein.
Die „Fairy Bridge Bikergang“ trennte sich hier - bis zur nächsten Motorradtour.
Im kommenden Jahr steht für uns erneut Bremerhaven auf dem Programm.
Glückauf
Silvo Magerl